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FELICIAs Leidensweg (Hessen/2001-2003)

Nach den Herbstferien 2001kommt FELICIA - sie ist in der 3. Klasse der Grundschule - umzugsbedingt in eine neue Schule. Bereits am ersten Tag wird die Klassenlehrerin, Frau E., von den Eltern darauf aufmerksam gemacht, dass das Mädchen massive Schwierigkeiten beim Rechnen habe, denn dies war bereits in der alten Schule schon offensichtlich.

In der darauffolgenden Zeit gibt es intensive Kontakte zwischen der Klassenlehrerin und dem Elternhaus. Die Klassenlehrerin schaltet gegen Ende des Jahres 2001 ohne Zustimmung der Eltern Frau K. ein, bei der es sich um die Konrektorin der örtlich zuständigen Sonderschule handelt. Anschießend erklärt die Klassenlehrerin, dass diese Einschaltung deswegen erfolgt sei, weil sie "mit ihrem Latein am Ende" gewesen sei und fachlichen Rat gesucht habe. Sie verspricht, dass die beauftragte Sonderschullehrerin nach ihren Untersuchungen ein Gespräch mit allen Beteiligten führen werde. Zu diesem Gespräch kommt es jedoch nie. Auch die Unterlagen über die Untersuchungen sind später unauffindbar. Die Klassenlehrerin berichtet lediglich, dass FELICIA bei Untersuchungen besondere Stärken im Bereich der Rechtschreibung gezeigt habe.

Im Januar bekommt FELICIA einen bereits im Juni 2001 beantragten Termin für die Rechenschwächediagnostik beim Rechenschwächeinstitut in Volxheim bei Bad Kreuznach. Die Klassenlehrerin wird in diesem Zusammenhang gebeten, einen Bericht für das Institut zu schreiben, was sie auch tut.

Das Rechenschwächeinstitut in Volxheim bestätigt die Befürchtungen der Eltern mit der Diagnose "deutlich ausgeprägte Dyskalkulie". Das Gutachten des Rechenschwächeinstitutes Volxheim wird sofort der Klassenlehrerin zur Verfügung gestellt, die sich jedoch nichts daraus macht.

Unmittelbar nach dem Erhalt des Gutachtens beantragen die Eltern von FELICIA beim Staatlichen Schulamt die sonderpädagogische Förderung in Mathematik gemäß § 18 Abs. 1 der Verordnung über sonderpädagogische Förderung vom 22.12.1998. Noch vor der Nachreichung der im Antrag angekündigten Unterlagen kommt die Antwort vom Schulleiter, Herrn S., obwohl der Antrag nicht an die Schule, sondern an das Staatliche Schulamt gerichtet ist. Dieser teilt mit, dass eine Antragstellung nicht zulässig sei, weil es keine "spezielle sonderpädagogische Förderung in Mathematik" gebe.

Im Frühjahr 2002 lädt die Klassenlehrerin die Eltern zu einem Elterngespräch ein. Während des Gespräches legt die Lehrerin den Eltern nahe, FELICIA die Klasse wiederholen zu lassen, ohne dabei auf ihre Probleme im Fach Mathematik einzugehen. Sie begründet den Vorschlag damit, dass FELICIA auch in Deutsch schwach geworden sei. So komme sie zum Beispiel bei direkter Rede nicht mit. Der Vater von FELICIA sagt, dass er mit dem Wiederholen der Klasse nicht einverstanden sei, weil die Wiederholung des nicht verstandenen Stoffes für das Fach Mathematik grundsätzlich nichts bringe.

Anfang des Schuljahres 2002/2003 werden die Eltern von FELICIA von der Klassenlehrerin telefonisch gebeten, in die Schule zu kommen. Die Bitte um Mitteilung, worum es dabei gehe, wird von der Klassenlehrerin mit dem Hinweis abgeschmettert, dass sie sich nicht wiederholen wolle, da sie im Gespräch alles sagen werde. Im Gespräch in Anwesenheit des Schulleiters wird von der Klassenlehrerin den Eltern die Teilnahme von FELICIA am Mathematikunterricht der zweiten Klasse empfohlen. Nach dem Vortrag der Klassenlehrerin widerspricht der Schulleiter ihrem Ansinnen und sagt, dass das Kind gleichzeitig den Stoff ihrer Klasse beherrschen müsse.

Kurz danach führt der Vater von FELICIA ein langes Telefongespräch mit der Klassenlehrerin, Frau E., und schlägt bezüglich des Umganges mit dem Mädchen angesichts der uneinsichtigen Haltung des Schulleiters bezüglich der Dyskalkulie die Devise "Augen zu und durch" vor, zumal das Mädchen aus seiner Sicht - er ist ausgebildeter Sprachwissenschaftler mit fundierten Kenntnissen im Bereich der Psychologie und Pädagogik - Defizite nur in Mathematik zeige. Die Klassenlehrerin antwortet, dass sie nicht wisse, ob sie FELICIA in die nächste Klasse versetzen könne. Kurz später teilt die Klassenlehrerin im Mitteilungsheft mit, dass FELICIA am Deutschförderkurs teilnehmen müsse. Erst anhand des Zeugnisses stellt es sich heraus, dass FELICIA in die Rechtschreibförderstunde geschickt wurde, obwohl sie keine Defizite in diesem Bereich hat. Ihr Problem ist doch die Fähigkeit zu rechnen und nicht die Rechtschreibung.

Anfang September 2002 beantragen die Eltern beim Hessischen Kultusministerium den so genannten Notenschutz in Mathematik. Das Kultusministerium gibt daraufhin ein schulpsychologisches Gutachten in Auftrag. Das Gutachten unter anderem mit der dringenden Empfehlung, die Note in Mathematik auszusetzen, wird an die Schule geschickt und die Schulpsychologin besucht die Schule und bespricht es mit ihr in allen Einzelheiten. Die im Gutachten enthaltenen Empfehlungen der Schulpsychologin werden von der Schule ignoriert, woraufhin das Kultusministerium die Schule verpflichtet, dem Gutachten zu folgen und darüber hinaus FELICIA von der Benotung in Mathematik zu befreien.

Ende November 2002 - das schulpsychologische Gutachten liegt der Schule bereits vor - bittet der Vater von FELICIA die Lehrerin im Mitteilungsheft, in der bevorstehenden Mathematikarbeit FELICIA differenzierte Aufgaben zu geben. Dabei folgt er der Empfehlung der Schulpsychologin. Als Antwort kommt die Mitteilung, dass dies nach Rücksprache mit der Schulleitung nicht möglich sei. Im Übrigen stehe den Eltern nach wie vor frei, FELICIA freiwillig ein Schuljahr wiederholen zu lassen, um sie zu entlasten. Die Antwort im Mitteilungsheft wird von FELICIA gelesen, weswegen sie Angstzustände bekommt und dem Arzt vorgestellt werden muss.

Am 18.12.2002 ruft der Vater von FELICIA den Schulleiter an, um mitzuteilen, dass der Lehrerin bei der Benotung der letzten Mathematikarbeit ein Fehler unterlaufen sei. Die Arbeit sei schlechter benotet worden, als dies gemäß § 74 Abs. 4 des Hessischen Schulgesetzes vorgesehen sei. Außerdem widerspreche diese Benotung der im Gutachten des Schulpsychologischen Dienstes gegebenen Empfehlung, die hohen Anstrengungen des Kindes in Bezug auf die Lernprozesse im Fach Mathematik zu stützen und positiv zu bewerten. Der Schulleiter bittet, ihm das zuzufaxen, was auch gemacht wird. Das Schreiben wird gar nicht beantwortet. Stattdessen kommt kurz später ein Brief von der Schule mit der Mitteilung, dass die Leistungen von FELICIA im Fach Mathematik auf Veranlassung des Kultusministeriums von der Benotung ausgenommen werden.

Kurz vor der Ausgabe der Halbjahreszeugnisse teilt der Vater von FELICIA der Klassenlehrerin schriftlich mit, dass die weitere Teilnahme von FELICIA am Deutschförderkurs abgelehnt werde. Begründung: FELICIA braucht die Förderung nicht in Deutsch sondern in Mathematik, aber die Schule bietet im Bereich Mathematik keine Fördermöglichkeiten an. Das an die Lehrerin gerichtete Schreiben wird vom Schulleiter beantwortet. Der Schulleiter spricht in seinem Brief von einem individuellen Förderprogramm für FELICIA. Der Vater von FELICIA antwortet dem Schulleiter, dass er von keinem individuellen Programm gehört habe und ihn nunmehr bitte, ein solches vorzulegen.

Da die Bitte um Vorlage eines Förderprogramms von der Schule ignoriert wird, bittet der Vater von FELICIA am 12.03.2003 das Kultusministerium um Überprüfung, ob das Verhalten der Schule mit seinen mit der Aussetzung der Benotung in Mathematik verbundenen Weisungen konform sei, zu denen unter anderem auch die Erstellung eines Förderprogramms gehörte.

Am 24.03.2003 schreibt die Klassenlehrerin ins Mitteilungsheft von FELICIA eine Einladung zu einem Gespräch über die Förderung von FELICIA in Mathematik, dass am 03.04.2003 stattfinden und an dem neben ihr und der stellvertretenden Leiterin der örtlich zuständigen Sonderschule, Frau C., auch Frau K. (die gleiche Frau K. wie zuvor) und Frau P. vom Sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentrum teilnehmen sollen.

Am 03.04.2003 findet das besagte Gespräch statt. Die Gesprächsleitung übernimmt Frau K., weil die Klassenlehrerin sich nach eigenen Angaben dazu nicht in der Lage fühle. An dem Gespräch nimmt auf Wunsch der Eltern auch die Dyskalkulietherapeutin von FELICIA, Frau. Dr. H., teil. Am Anfang des Gespräches verteilt der Vater von FELICIA allen Teilnehmern den Ausdruck dieser Geschichte (mit Geschehnissen bis zur Einladung zu dem Gespräch) sowie die Ablichtung der schulpsychologischen Stellungnahme und äußert sein Bedauern, dass es zu dem Treffen erst jetzt komme. Alle Teilnehmer erklären, dass ihnen die schulpsychologische Stellungnahme bekannt sei. Nach langer Diskussion - das Gespräch dauert über eine Stunde - wird von Seiten des Sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentrums festgestellt, dass die Schule und das Beratungszentrum aus Personalgründen keine Förderungsmöglichkeiten sehen würden. Wenn die Psychologin in ihrer Stellungnahme bzw. ihrem Gutachten die Förderung fordere, dann kenne sie wahrscheinlich die Personalsituation vor Ort nicht. Möglicherweise sei diese in solchen Landkreisen wie der, aus dem die Psychologin komme anders. Wenn man eine Förderung wolle, dann solle man sich an die Schulbehörden wenden. Dies sei besser, als die Kraft für das Stellen von Forderungen an die Schule zu verschwenden, da eine solche Förderung von der Schule praktisch nicht realisiert werden könne. Am Ende des Gespräches stellt Frau K. dem Vater von FELICIA die Frage, warum FELICIA einer Psychologin in einem entfernten Landkreis vorgestellt worden sei. Der Vater sagt, dass dies auf Veranlassung des Kultusministeriums geschehen sei.

Das Gespräch führt zu keinen greifbaren Ergebnissen. Im Laufe des Gespräches kommt es dann zu einem kleinen Eklat. Da FELICIA zu Hause mehrfach erzählt hat, dass die Klassenlehrerin ihr gegenüber oft geäußert habe, dass für sie nur die Hauptschule in Frage komme, sagt der Vater, dass er nicht wünsche, dass die Schule das Kind auf eine solche Weise verunsichere. Die Klassenlehrerin fragt daraufhin, wer dies gemacht haben solle. Um das weitere Gespräch nicht zu belasten, belässt es der Vater von FELICIA bei dieser Bemerkung und vertieft das Problem nicht.

Anfang 2003 besuchen die Kinder aus FELICIAs Klasse - zur Vorbereitung auf den Besuch der weiterführenden Schule - vorübergehend den Unterricht der benachbarten Haupt- und Realschule. FELICIA wird in den Mathematikunterricht des Realschulzweiges geschickt, während die anderen Kinder dort den Deutschunterricht besuchen. FELICIAs Vater sieht in dieser Maßnahme eine reine Schikane, die FELICIA beweisen soll, dass sie dort nichts verloren habe. Schließlich pflegt die Klassenlehrerin ständig zu betonen, dass für FELICIA nur die Hauptschule in Frage komme. Der Vater vermeidet jedoch, dies im vorerwähnten Gespräch am 03.04.2003 zu thematisieren, um die am Ende des Gespräches ohnehin schon gespannte Atmosphäre nicht weiter zu verschlechtern.

Ab Schuljahr 2003/2004 besucht FELICIA eine Integrierte Gesamtschule, in der die mit Teilleistungsschwächen verbundenen Probleme pragmatisch nach dem Motto "Fordern und Fördern" gelöst werden.

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